Interview Gérard Jap Nirantar und Ada Devinderjit

Die White Sound Gongausbildung habe ich in Nanaks Nachfolge in Zusammenarbeit mit Gérard Jap Nirantar aufgebaut, und vier Jahrgänge mit ihm gemeinsam ausgebildet. Ich bin ihm sehr dankbar für alle Impulse, Erfahrungen und Inspiration, die ich mit ihm im Austausch erleben durfte. Ab Herbst 2018 unterrichte ich im beidseitigen Einvernehmen diese Ausbildung allein. — Ada Devinderjit

Interview mit Gérard Jap Nirantar und Ada Devinderjit

Frage: Ada, Gérard, Ihr seht Euch in Eurer Gongausbildung als Nanak Devs Nachfolger an. Vielleicht könnt Ihr zu Beginn dieses Gesprächs kurz euer persönliches Verhältnis zu Nanak Dev schildern?

Ada: Ich habe Nanak 14 Jahre gekannt. Er war mein Mentor und ich hab von ihm so viel wie möglich lernen wollen, und er hat mir immer wieder vertraut, mich Dinge machen und mich über mich selbst hinaus wachsen lassen. Mir ist klar, dass ich das, was er mir beigebracht hat, in genau dieser Form mitempfinde und weitergeben möchte. Das ist mir wichtig, weil ich gespürt hab, dass sein Wissen echt und authentisch ist. Außerdem habe ich ihn sehr geliebt.

Frage: Hast du bei ihm gleich von Anfang an Gong spielen gelernt?

Ada: Ich hab ihn das ziemlich bald gebeten, ich glaube 2002, aber erst 2005 hatte er einen ersten Lehrgang in Berlin. Ich war dann bei der ersten Hamburger Gruppe 2006 dabei und seitdem kontinuierlich mit ihm im Kontakt, mit Fragen, mit Besuchen, mit Treffen auf dem Yogafestival, um das alles zu verfeinern.

Gérard: Ich habe Nanak Dev auch unheimlich geliebt und zwar von dem ersten Moment an, wo wir uns gesehen haben hier in Berlin. Das liegt alles gar nicht so weit zurück, ich habe Nanak 2012 hier im Triguna Ashram kennengelernt und da war wirklich vom ersten Moment an so ein Ankommen in der Begegnung mit ihm, dass ich das Gefühl gehabt habe, hier wirst du genau so akzeptiert wie du bist. Und der strahlt so eine unheimliche Güte und Liebe aus, was halt auch diese tiefe Verbindung ermöglicht hat, sowohl für die Gongausbildung als auch für die ganze Zeit danach. Ich bin Anfang 2014 hier hergezogen in den Ashram, das war für mich letztendlich die logische Konsequenz, weil ich die Motivation gespürt habe, so dicht wie möglich an ihm dran zu sein, da zu sein, von ihm zu lernen, die unglaubliche Technik dieses Gongspiels umfassender und tiefer zu begreifen. Für ihn war meine Gegenwart ganz wertvoll in diesem seinem letzten Jahr, wo er körperlich bereits eingeschränkt war. Er hat dann immer gesagt: „Ich bin die Ideenmaschine und du bist der junge Körper, der rumrennt und die ganzen Sachen machen kann.“ Wir waren da eine schöne energetische Symbiose, und für ihn sind da nochmal Sachen umsetzbar gewesen, die er alleine schlecht hätte machen können. Manchmal haben Leute gefragt, ob ich sein Sohn bin, und da hat er halt so überlegt und gesagt „hmm, sowas in der Richtung.“

Frage: Damit können wir eigentlich gleich auf die Frage der Nachfolge zu sprechen kommen. Er hat diese Frage ja euch gegenüber angesprochen, und ich würde gern hören, mit welchen Worten er euch dazu ermutigt hat, seine Nachfolge anzutreten.

Gérard: Es gab da keine offizielle Ansprache, da er selber nicht davon ausgegangen ist, dass er dieses Jahr seine physische Form hier auflöst. Man muss sagen, dass Nanak Dev Schülern und Schülerinnen, bei denen er das Gefühl hatte, dass er sich auf sie verlassen kann, alles an die Hand gegeben hat, damit die nicht nur über sich selber, sondern auch über ihn hinauswachsen können. Dabei war es ihm total wichtig, dieses Vertrauen zu spüren, das er nicht zu vielen Leuten gehabt hat, deswegen gab es letztlich nur drei Kandidaten, die aus seiner Sicht für die Nachfolge  in Frage gekommen wären. Es gab ein Gespräch im letzten Dezember, wo er seiner Frau gegenüber gesagt hat, dass es diese drei Kandidaten gibt, und wenn er es an diesem Punkt hätte entscheiden sollen, dann hätte er das in meine Hände gegeben, aus der Tatsache heraus, dass wir soviel Zeit, so intensive Zeit in diesem Jahr miteinander verbracht haben. Das wusste ich in dem Augenblick noch nicht, das habe ich im Nachhinein von seiner Frau gehört. Aber er hat es mir gegenüber schon auch angesprochen, er hat zu mir gesagt: „Du kannst es machen und du wirst es auch irgendwann machen, weil es deine Bestimmung ist. Richte dich darauf ein, dass es dein Weg werden wird.“

Ada: Es ist ja so, dass jetzt auch andere kommen, denen er sein Vertrauen nicht ausgesprochen hat –  das ist mit der Grund, warum wir jetzt dieses Interview hier führen – und dass das Gongspielen eine Kunst ist, die leider auch zu Selbstüberschätzung führen kann, zu Verwaschungen, zu aus wenig Erfahrung geborenen Adaptationen, mit unberechenbaren Wirkungen.

Gérard: Nanak Dev ist es wichtig gewesen, die Leute gut im Auge zu haben und zu gucken, wie jeder auf seinem Weg wirklich gut unterstützt werden kann.

Frage: Euch geht es also vor allem auch um die Gewissenhaftigkeit, das wirklich so weiterzugeben, wie ihr es auch gelernt habt? Kann man das so sagen?

Ada: Das kann man absolut so sagen. Das ist sogar ganz zentral.

Gérard: Es geht vor allem um Respekt vor der unfassbaren Kraft, die in diesem Instrument steckt. Respekt und Verneigung davor, und wenn das nicht stattfindet, dann ist eh schon alles verloren.

Ada: Was Nanak mir offiziell übertragen hat, das waren die Gongmeditationen für das europäische Yogafestival in Frankreich. Da hat er eine kleine Ansprache gehalten, auch darüber, wie ich den Abschluss-Gong des Festivals geplant habe. Er hat gestrahlt und gesagt: „Merkt ihr, die Leute, denen ich was beigebracht habe, die neigen dazu, die Dinge besser zu tun, als ich sie machen kann“, und darauf war er total stolz. Dann hat er gesagt: „Ada denkt wie ich. Eigentlich ist sie ich mit Brüsten“ und dass die Leute mir vertrauen sollen. Das war ein sehr anrührender Moment.

Später, da seine Gesundheit sich verschlechterte und seine Frau außerdem sagte, sie würden vielleicht zurück in die Staaten gehen, habe ich bei ihm angerufen und ihn gebeten, dass ich ihn besuchen darf und er mir die Dinge beibringt, die mir noch fehlen, um Gong auszubilden. In diesem Telefonat hat er mir gesagt, dass ich das tun soll und werde, also Gong lehren. Er hat sich dann ganz viel Zeit genommen, sich auf mich eingestimmt, und ich habe persönliche Lehre von ihm bekommen, was mir viel Rückhalt für das gibt, was wir jetzt tun.

Frage: Ihr beide seid ja jetzt als Team dabei, es gab auch einen Dritten, mit dem ihr jetzt nicht zusammenarbeitet. Denkt ihr, das war von Nanak Dev so vorgesehen, dass ihr gemeinsam arbeitet?

Gérard: Dazu gab es nie eine Aussage. Ich glaube, Nanak Dev hat sein Wissen auf mehrere Leute verteilt, einfach um zu vermeiden, dass dieses Wissen langfristig verloren geht und ist dabei nicht davon ausgegangen, dass wir als Team arbeiten würden. Wir hätten trotzdem gern etwas Gemeinschaftliches auf die Beine gestellt, aber da waren, anders als zwischen Ada und mir, doch viele Differenzen, und letztlich hat der Dritte sich selbst zurückgezogen.

Frage: Ich würde Euch gerne bitten, kurz zu charakterisieren, was für euch das Besondere ist an Nanak Devs Art, den Gong zu spielen und zu lehren. Ich habe jetzt aus dem Gespräch herausgehört, dass ihr versucht, das so originalgetreu wie möglich weiterzugeben und würde gern noch einmal hören, was das für euch auszeichnet, was euch da so wichtig ist.

Ada: Ich sehe da zwei grundlegende Sachen. Das eine ist, dass es ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein braucht, Menschen durch einen bestimmten Prozess hindurch zu leiten, in dem diese Menschen, zeitweise und für Heilung, einen Teil ihrer mentalen Kontrolle abgeben und dass man diese Verantwortung nur tragen kann, wenn man selbst durch einen Wachstumsprozess gegangen ist. Das stimmt ganz genau überein mit dem, was Nanak gelehrt hat: dass es nicht eine Technik ist, wo es nur darum geht, ein Instrument zu spielen – das allein kann man schnell lernen – sondern eine Technik, in der es darum geht, die Menschen bei der Hand zu nehmen und durch ihren Heilungsprozess hindurch zu leiten – das kann man eben nicht schnell lernen. Und das zweite Wesentliche ist, dass es eben eine uralte Technik ist, eine Tradition, die von Meister zu Schüler weitergegeben worden ist, die Nanak von YB auch nicht einfach so bekommen hat, sondern wo er sehr lange brauchte, bis er den Gong spielen durfte. Mit dem Gongspielen ist es nicht so, dass man da viel Phantasie entwickeln oder sich etwas ausdenken muss, wie manche glauben, vielmehr geht es darum, diese eine Sache, die man macht, wirklich in der Tiefe zu machen.  Das hat mit der Intention zu tun, mit der Meditation und mit der eigenen Trance, in die man dabei geht.

*** Anmerkung: Der Rahmen dieses Interviews würde gesprengt durch eine genauere Darstellung der Technik – welche sich zudem durch Erfahrung erschließt. Mehr dazu steht im Leitbild der Gongausbildung nach Nanak Dev Singh Khalsa ***

Gérard: Ich glaube, das Besondere ist die Beharrlichkeit, mit der Nanak über diese 4 Jahrzehnte diese Technik angewendet und immer wieder die Heilwirkungen überprüft hat. Das ist ein ganz entscheidender Faktor, dass man diese Technik ein Leben lang vertieft. Das ist nichts, was man an einem Wochenende lernen kann. Darum sagen wir jetzt auch nicht, wir bilden irgendwelche Gong-Meister aus. Nanak Dev selbst hat es immer abgelehnt als Meister bezeichnet zu werden. Er hat gesagt, wenn ich als Meister bezeichnet werde, würde das ja bedeuten, dass ich nichts mehr zu lernen hätte über den Gong, und das ist definitiv falsch. Und wenn es irgendwen gibt, der wirklich verstanden hat, wie man mit so einem Instrument umgeht auf diese heilende, transformatorische Art, dann würde ich wirklich sagen, es ist Nanak Dev.

Ada: Viele, die es nicht richtig gelernt haben, spielen den Gong viel zu stark, viel zu schnell –  dabei ist es vor allem eine liebevolle Technik. Man muss ganz liebevoll und sanft Menschen bei der Hand nehmen können. Man muss aber auch diese Shakti, diese kraftvollen Qualitäten haben, um dann, aber erst dann, wenn die Menschen wirklich so weit sind, die Kontrolle zu übernehmen, um die Menschen durch ihre Unterbewusstseinsprozesse hindurch zu leiten. Dafür braucht es äußerste Bescheidenheit und äußerste Demut. Das ist etwas, was Nanak verkörpert hat, das ist für mich etwas ganz Wesentliches, was wir da von ihm bekommen haben. Auch deshalb ist es etwas ganz Besonderes: Nanak hat uns in all diesen Hinsichten vertraut. Diese Lehre müssen wir bewahren und weitertragen in die nächste Generation.

Frage: Vielleicht möchtet ihr zum Abschluss noch etwas sagen, wofür ihr Nanak Dev besonders dankbar seid oder was ihr vielleicht eurerseits von ihm bekommen habt und weitergeben möchtet?

Ada: Ich hab von Nanak Dev bekommen, dass ich erfahren habe, wofür ich hier bin auf diesem Planeten und alle Liebe und Unterstützung, um das zu tun.

Gérard: Da müsste ich vielleicht weiter ausholen, um das verständlich zu machen, aber ich kann sagen, dass Nanak Dev mit dem, was er mir vermittelt und gegeben hat, ein Stück weit dafür gesorgt hat, dass ich heute noch am Leben bin und dass ich mein Leben so leben kann, wie ich es lebe und vor allem, dass ich dieses Gefühl in mir trage, wirklich einer Bestimmung zu folgen, aus einer inneren Überzeugung heraus. Die Liebe und die Mühe und die Zeit, die Nanak investiert hat in diesen Weg, das möchte ich weiterführen an der Stelle, nach seinen Maßstäben und Regeln und das auch anderen Menschen vermitteln, die sich vom Gong auf eine ähnliche Art und Weise angezogen fühlen.                                                                    – im September 2015

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